Rezension: Isabel Allende – Ein unvergänglicher Sommer

„Ein unvergänglicher Sommer“ ist die Geschichte von Lucía, Richard und Evelyn, die sich nach einem Schneesturm auf ein besonderes Abenteuer begeben: Das Beseitigen einer Leiche.

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Richard, ein etwas eigenbrötlerischer Professor, fährt nach einem kleinen Auffahrunfall unbehelligt nach Hause. Doch dort erwartet ihn wenig später genau die Frau, deren Auto er zuvor gerammt hat. Evelyn, eine verängstigte junge Frau aus Guatemala, die kaum ein Wort spricht. Richard sucht Hilfe bei Lucía, seiner chilenischen Untermieterin. Sie findet heraus, was Evelyn so ängstigt: eine Leiche im Kofferraum. Es steht schnell fest, die Leiche muss weg. Zur Polizei gehen ist keine Option. Denn Evelyn hat nicht nur Todesangst vor dem Besitzer des Autos, sondern lebt auch noch ohne Papiere in Amerika. Gemeinsam machen sie sich also auf die Reise, die ihre Verbindung untereinander völlig verändern wird.

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Isabel Allende erzählt in diesem Buch nicht nur eine Geschichte, sondern gleich mehrere. Die von Evelyn, einem schweigsamen und stark traumatisierten Mädchen, geflohen vor der grausamen Gewalt gegen ihre eigene Familie. Die von Lucía, einer chilenischen Journalistin, die eine verkorkste Ehe und eine Krebserkrankung hinter sich hat. Und die von Richard, dessen Vergangenheit ihn auf tragische Weise für immer prägen sollte. Lucía und Richard sind beide im Seniorenalter, wohnen im selben Haus,  könnten aber nicht weiter voneinander entfernt sein.

„Seine vorgestellten Gespräche mit Lucía konnte er sich nur so erklären, dass ihm die Einsamkeit langsam zu schaffen machte, noch so ein Alterssymptom, dachte er. Schon dieses erbärmliche Geräusch, wenn die Gabel in einem menschenleeren Haus über einen Teller schabt. Alleine essen, alleine schlafen, alleine essen.“

Von Anfang an ist klar, dass sich zwischen Richard und Lucía etwas entwickeln wird. Trotzdem steht nicht diese Liebesgeschichte im Vordergrund, sondern vielmehr die einzelnen Vergangenheiten, Schicksale und Handlungen, die eben zur entscheidenen Gegenwart geführt haben. Darüber war ich sehr froh, denn ich bin leider kein Fan von überkitschigen Liebesdingen. Dennoch konnte sich auch mein Herz nicht gegen die vielen zarten und wahren Beobachtungen wehren, mit denen Isabel Allende ihre Charaktere lebendig macht.

„Mit den Frauen verbunden durch ihre waghalsige Unternehmung, fühlte er sich in diesem an sich traurigen Hotelzimmer behaglich und sicher, tastete sich auf das Gebiet der Freundschaft vor und war aufgeregt wegen der Nähe zu Lucía. So wenig vertraut war ihm dieses warme Gefühl von Glück, dass er es nicht wiedererkannte.“

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FUX-FAZIT:

🦊🦊🦊
3 von 5 Füxen.

Ich war fasziniert, wie geschickt die Geschichten aufgebaut und zusammen gewoben wurden. Die Ausgangssituation ist zwar simpel, wird aber spannend aufgebaut durch immer mehr, was der Leser aus der Vergangenheit der drei erfährt. Die Charaktere – bis zum Chihuahua Marcelo – sind greifbar und bis ins Detail ausgearbeitet. Sprachlich war es – für meinen persönlichen Geschmack – teilweise etwas weichgespült, was andere aber gerne anders empfinden mögen.

Dennoch! Das, was da zwischen Lucía und Richard entsteht weckt Erinnerungen. Ans erste Verliebtsein und vor allem an das vierte oder fünfte Mal. Wenn alte Gefühle ignoriert und verdrängt werden, wenn Zweifel über Neugier herrscht. Wenn die erste, neue Berührung plötzlich alles bisherige wieder in Frage stellt und gleichzeitig die langersehnte Antwort liefert. Ich gebe zu, ich war berührt.

Und was mir bei diesem Buch in Erinnerung bleiben wird, sind allgegenwärtige, wichtige Themen. Freundschaft, bedingungslose Loyalität, Mut, Hoffnung. Familie und Heimat. Und natürlich: was es heißt, lieben zu können. Auch wenn man es nicht mehr für möglich gehalten hat.

Ich danke dem Suhrkamp Verlag sehr für diese Leseerfahrung. Ein schönes, kurzes Statement von Isabel Allende findet ihr hier.

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Isabel Allende – Ein unvergänglicher Sommer
Suhrkamp Verlag,
Hardcover, 350 Seiten
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Ein Kommentar zu “Rezension: Isabel Allende – Ein unvergänglicher Sommer

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