Rezension: George Saunders – Lincoln im Bardo

„Warum lieben wir überhaupt, wenn wir wissen, dass alles zu Ende gehen muss?“ – Klappentext

Der Sohn des amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln stirbt – und landet im Zwischenreich zwischen Diesseits und Jenseits. Im sogenannten „Bardo“, wo Geistergestalten sich um die Seele des Jungen streiten. Was passiert mit ihm, wo geht er hin? Wird er für immer hier bleiben und an Traurigkeit zugrunde gehen – oder wird er den düsteren Ort verlassen können, um seine junge Seele zu befreien? Ein absurder Dialog zwischen aberwitzigen, berührenden Charakteren, die nur eines nicht zu wissen scheinen: dass sie bereits tot sind.

„Er kam aus dem Nichts, nahm Gestalt an, wurde geliebt und war doch immer dazu bestimmt gewesen, ins Nichts zurückzukehren.“

IMG_0298Wir begleiten den Präsidenten zum Grab seines kürzlich verstorbenen Sohnes und erleben all seine Trauer aus den Augen der Geister. Wir folgen atemlosen und schnellen Dialogen, die verwirren und aufwühlen. Ein jeder schmeißt mit seiner Geschichte um sich, die Geister nehmen absurde Gestalten ein, flirren durch die Luft, sehen selbst Geister der Vergangenheit und reden von sich selbst als „Krankengestalten“. Das Wort „Tod“ kommt ihnen nicht über die Lippen, sie sind im Zwischenreich, aber wissen es nicht.

„Der Herr ließ den Kopf auf die Stelle zwischen Kinn und Hals sinken und schluchzte, erst abgehackt, dann ließ er seinen Gefühlen hemmungslos freien Lauf.“
– reverend everly thomas

„Während der Knabe in der Nähe hin und her rannte, ganz offensichtlich in qualvoller Verzweiflung.“
– hans vollman

„Fast zehn Minuten lang hielt der Mann die -“
– roger bevins iii

„Kranken-Gestalt.“
– hans vollman

FUX-FAZIT:

🦊🦊🦊🦊🦊
5 von 5 Füxen.

Ich habe noch nie zuvor ein solches Buch gelesen. Es ist fantastisch geschrieben und übersetzt, die Charaktere so herzzerreißend gestaltet, dass es wehtut. Die Dialoge verwirren manchmal sehr, aber was zwischen den Zeilen bleibt, ist tiefste Berührung. Über den Verlust des Sohnes, über die Frage von Schuld, Liebe, Schicksal. Es ist ein einzigartiges Buch, das man liebt oder total doof findet. Ich glaube, dazwischen gibt es nix. Mein Fazit: Wirklich gut. Lesen.

„An der Oberfläche schien zwar jeder Mensch anders zu sein, aber das stimmte gar nicht.“
– roger bevins iii

„Im Kern eines jeden lag das Leid; unser sicheres Ende irgendwann und die vielen Verluste, die wir auf dm Weg dorthin ertragen mussten.“
– hans vollman

George Saunders – Lincoln im Bardo
Luchterhand Verlag,
Hardcover, 445 Seiten
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Ein Kommentar zu “Rezension: George Saunders – Lincoln im Bardo

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