Rezension: Lauren Groff – Licht und Zorn

Sie sehen sich, verlieben sich – und heiraten zwei Wochen später. Das ist der unglaubliche Grundstein der Beziehung zwischen Lotto und Mathilde. Sie sind Anfang 20, als sie sich Hals über Kopf ins Abenteuer Ehe und Leben stürzen. Lotto, strahlend vor Charisma und Selbstüberzeugung, angehender Schauspieler und vielversprechender Erbe. Mathilde, die stille Schönheit, hinter deren sanftem Lächeln sich so manches Geheimnis verbirgt. Doch die Heirat löst nicht nur Freudentaumel aus – enttäuscht über die Entscheidung ihres Sohnes enterbt Lottos Mutter ihn kurzerhand und das junge Ehepaar steht mit nichts als ihrer Liebe in der leeren Wohnung in New York.

„Niemand gehört irgendjemandem. Zusammen sind wir etwas Neues.“

Entgegen jeder Vermutung, das Paar würde scheitern, wachsen Lotto und Mathilde untrennbar eng zusammen. Zwischen ihnen entsteht eine Vertrautheit, die ohne Worte zu funktionieren scheint und dennoch kaum in Worte zu fassen ist. Doch immer wieder erhaschen wir einen Blick hinter die Kulissen und ahnen, welche Biester im Inneren ihr Unwesen treiben.

„Eine blutig gebissene Lippe, das Finale mit einem Schrei, auffliegende Vögel und Sandkörner in den rosa Windungen eines Ohrs. Auf dem Wasser wie eine geriffelte Münze die Sonne. Ein Blick zum Himmel: Nieselt es? [Ja.] Das Geräusch kleiner Scheren, die sich schließen. Es bleibt kaum Zeit, die atemberaubende Schönheit zu bewundern, denn da ist sie schon. Die Trennung.“

Während Mathilde irgendwie das Geld ranholt, ist Lottos Schauspielkarriere zum Scheitern verurteilt. Bis er eines Nachts einer Eingebung folgt, betrunken Emotionen zu Blatt bringt und sich zum gefeierten Dramaturg mausert. Doch niemand außer Mathilde sollte je wissen, wer wirklich für seinen Erfolg verantwortlich war …

FUX-FAZIT:

🦊🦊🦊🦊🦊
5 von 5 Füxen.

„Licht und Zorn“ lieferte mir als Leserin eine komplexe Geschichte über eine leidenschaftliche Ehe, in der jedem Hellen etwas Dunkles zugrunde liegt. Charaktere, die so greifbar und lebendig sind, dass sie mich immer noch beschäftigen. Eine Frau, die ihren Zorn jahrelang versucht weg zulächeln. Eine Sprache, die so vielseitig konstruiert ist, mal poetisch, mal strikt. Eine allwissende Erzählstimme, die sich hier und da eigene Kommentare nicht verkneifen kann und so dieses einzig große Theaterstück zweier Leben gleichzeitig auflockert und noch spitzer macht. Kurzum: Ich war angetan.

„Sie konnte nichts tun. Ihr ganzer Körper hatte sich nach innen gezogen. Mathilde war zur Faust geworden.“

Lauren Groff – Licht und Zorn
aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs
btb,
Broschur, 432 Seiten
Hier geht’s zum Buch

 

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