Rezension: Fuminori Nakamura – Der Revolver

Eine regnerische Nacht in Tokio. Der junge Student Nishikawa findet eine Leiche – und den Revolver, der den Menschen getötet hat. Doch statt zur Polizei zu gehen, nimmt er die Waffe an sich und versteckt sie bei sich zuhause. Aus anfänglicher Faszination wird eine obsessive Liebe und der Revolver zum Zentrum seines ganzen Denkens und Handelns. Nishikawa wird mutiger, stürzt sich in Affären, entdeckt seine dunkle Seite. Bis ein entscheidender Schritt für ihn unausweichlich wird – den Revolver zu benutzen.

„Und auf einmal dachte ich: Du bist nicht mehr derselbe Mensch. Ich hatte das allerhöchste ausgekostet. Dafür war ich dem Revolver dankbar und bereit, alles zu tun, alles zu opfern. War das nicht wahrhafte Liebe?“

Es ist ein verdammt gutes Gefühl, sich mächtig zu fühlen. Und das kostet der junge Student maßlos aus. Verübeln kann man es ihm kaum, auch wenn ich man ihn dennoch ab und an wachrütteln und zum Guten bewegen möchte. Komm, Junge, geh einfach zur Polizei. Erklär ihnen, wie es war. Bis er eine selten dämliche Dummheit begeht, die Polizei ihm folglich zuvorkommt und ein gerissener Detektiv ihn in die Enge treibt. Doch jetzt so kurz aufgeben, den Revolver entsorgen, ohne ihn benutzt zu haben?

FUX-FAZIT:

🦊🦊🦊
3 von 5 Füxen.

„Der Revolver“ von Fuminori Nakamura ist ein Buch über Verführung und das Verhängnis von Macht, über unerfüllte Liebe und über menschliche Abgründe, die wir vielleicht alle in uns tragen. Spannend bis zum (extrem überraschenden) Schluss. An meine Begeisterung für „Die Maske“ kam es nicht ganz ran – und doch habe ich immense Hochachtung vor Nakamura, der dir eine Geschichte vor die Füße knallt, dich zuweilen in Sicherheit wiegt, nur um dich dann volle Kanone auflaufen zu lassen. Nice.

Fuminori Nakamura – Der Revolver
aus dem Japanischen von
Thomas Eggenberg
Diogenes Verlag,
Hardcover Leinen, 192 Seiten

 

 

 

 

 

 

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