Leben. Schreiben. Atmen. Und eine Einladung zum Schreiben.

Sie blendet mich, die leere Seite vor mir auf dem Bildschirm. Ich versuche, einen Anfang zu finden, indem ich viel zu früh an sein Ende denke. Meine Gedanken schlagen Haken und schießen damit gegen die Innenwände meines Hirns. Dazwischen immer wieder der Blick aus dem Fenster, das Eichhörnchen klettern kommen und gehen sehen. 

„Du hast schon immer gern geschrieben“, bilde ich mir die Stimme meiner Mutter ein. Irgendwo zwischen Studiumsanfang und Umzug nach Hamburg. Der Umzug in einen neuen Abschnitt, der vor allem mit Sehnsucht begann. Ich hab schon immer gern geschrieben. Tagebuch, aber so, dass es alle lesen könnten. Ist das dann noch Tagebuch? 

Mit Kugelschreiber kurze Phrasen aufs Papier gepeitscht, mal heftiger mal weicher, je nach Gefühlslage. Lag ich immer richtig? Zum Glück egal, hab’ ja immer nur für mich geschrieben. Heute schreibe ich beruflich. Wer hätte das gedacht. Jeden Tag die leere Seite, jeden Tag ein neues Briefing. Jeden Tag der Versuch einen Anfang zu finden, der ganz sicher zum Ende führt.

Schreiben, um Probleme zu lösen. Schreiben, um erfundenen Menschen die richtigen Wünsche ins Gehirn zu legen. Schreiben, um Werbung zu machen. Schreiben, verkaufen, schreiben mit Kopf, aber oft ohne Gefühl. Schreiben, um bewertet zu werden, schreiben in Konkurrenz. Headlines, deren Deadlines mich den Kopf kosten. 

Wann habe ich eigentlich angefangen, mit dem Schreiben-Lieben aufzuhören?

Mein Bauch kribbelt. Gleich kommen die Tränen, es drückt schon warm gegen meinen Hals. Mein verräterisches Herz schlägt weiter, pumpt mit jedem Schlag neue Kraft in die Quelle. Ist ja gut, dass es sie gibt. Sie kann sprudeln, fließen, reinigen und ab und an mal neues erwecken. Nur wenn Dürre herrscht, ist alles still. So still, dass da nicht mal mehr Bauchkribbeln ist. 

Ich versuche, mich an Bauchkribbeln zu erinnern. Im Aufzug. In der Achterbahn. Vorher und nachher. Bauchkribbeln, wenn der Schulbus hält und er einsteigt. Bauchkribbeln beim Küssen, vor Angst und Glück. Bauchkribbeln, bevor ich auf die Bühne gehe. In der Stille, kurz bevor die Musik angeht. Aufnahmeprüfungen, Gespräche, in denen es angeblich um alles geht, Bauchkribbeln vor Wut, sich wehren gegen Freunde, gegen Unrecht, gegen Chefs, gegen eigene Zweifel. Bauchkribbeln vor der Rede auf der Hochzeit meiner Schwester.
Einfach mal erinnern, wann da Bauchkribbeln war.

Einfach mal erinnern. Atmen, erinnern, schreiben.
Konservieren, was eigentlich für immer bleiben sollte.
Sortieren, was wir nicht verstehen, bis wir es aufgeschrieben haben. Sich sammeln, Satz für Satz.
Leben. Schreiben. Atmen.


 

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Die große Chance der Erinnerung ist auch das, was Doris Dörrie mit ihrem neuen Buch „Leben. Schreiben. Atmen.“ endlich wieder in meinen Fokus gerückt hat. Als ich gefragt wurde, ob ich bei einer Aktion zu diesem Buch mitmachen möchte, musste ich nicht lange nachdenken. Schreiben gehört für mich ja schließlich zum Alltag. Doch erst nach der Lektüre (an einem Tag eingesaugt, true story) wurde mir klar, dass ich bei all meiner Arbeit und meiner Buchbloggerei völlig vernachlässigt habe, nur für mich zu schreiben. Und ich habe große Lust, die Einladung von Doris anzunehmen. Drauf los zuschreiben, meine Handschrift tanzen zu lassen, einfach mal wieder erinnern, um alles andere zu vergessen.

„Warum mit der Hand schreiben? Weil die Hand wir selbst sind. Der Computer nicht. Eine Tastatur übersetzt unsere Gedanken, die Hand sind wir selbst, die direkte Verbindung von unserem Kopf in die Hand ist die Handschrift. Sie verändert sich, wenn man über etwas schreibt, was einen wirklich packt. Wird größer, freier.“

„Leben. Schreiben. Atmen.“ ist wunderbar. Denn zwischen kurzen Anregungen zum Schreiben stehen da vor allem ganz persönliche Erinnerungen und Erzählungen von Doris Dörrie, die amüsieren, berühren, das Herz fest drücken und zum Schlucken bringen. Allen voran sind diese Geschichten einfach großartig geschrieben. Einfach genau richtig, um danach zu denken: Das will ich jetzt auch. Man gebe mir Stift und Papier!

„Wir sind immer wieder andere, am Abend nicht die, die wir am Morgen waren. Aber wir können uns an die, die wir waren, erinnern. … Die Erinnerungen, die aufsteigen, sind unser Besitz. Sie machen uns aus. Sie erzählen, wie wir bis hierher gekommen sind, an diesen Punkt in unserem Leben. Sie versetzen uns gleichzeitig in die Vergangenheit und Gegenwart unserer Existenz, mit all ihrer Schönheit und ihrem Schrecken.“

Ich will wieder anfangen. Anfangen mich zu erinnern, zu schreiben, mich selbst aufzuschreiben und alles zu Papier bringen, was ich vor lauter wilder Gedanken da oben gar nicht mehr richtig greifen kann.

Und – schreibt ihr mit?

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Gewinnspiel zu Doris Dörrie “Leben. Schreiben. Atmen”

Wenn ihr auch Lust bekommen habt, sofort loszulegen, dann will ich euch nicht länger aufhalten. Im Gegenteil, ich will euch nur noch maximal motivieren. Denn wer jetzt mitmacht, hat die Chance auf einen richtig tollen Gewinn:

Diogenes verlost dreimal je eine Karte (plus Buch) für die Live-Schreibwerkstatt mit Doris Dörrie am 16.10. in Frankfurt (Infos gibt’s hier!) Außerdem gibt es zehn Exemplare von „Leben. Schreiben. Atmen“ zu gewinnen. Was ihr dafür tun dürft? Schreiben! 🙂

Teilt bis zum 22. September 2019 unter dem Hashtag #lebenschreibenatmen auf Facebook, eurem Blog, Twitter oder Instagram euren persönlichen, durch die Schreibanregungen entstandenen Text und schickt eine Mail mit Betreff #lebenschreibenatmen und dem Link zum Post sowie der
eigenen Postadresse an gewinnspiel@diogenes.ch. (Hier geht es zu den Teilnahmebedingungen).

Noch mehr Anregungen, Inspiration und lesenswerte Beiträge zum Buch findet ihr bei Schirmherrin Sarah von pinkfisch und auf dem Instagram-Kanal von Diogenes.

Wir freuen uns extrem auf eure Beiträge!

Und jetzt: Stifte raus, Klassenarbeit. ❤️

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