Fuxbooks auf Reisen – vier Urlaubsbücher für die Färöer Inseln

Party people, ich war im Urlaub. Und das ganze zwei Wochen. Raus aus der City, rauf auf die Färöer Inseln. Wer nicht weiß, wo die sind, guckt das mal eben flott nach. Ich war also endlich mal wieder nur von Meer und Natur umgeben, hatte einen angenehm müden Körper und leeren Kopf, der mit neuen Geschichten gefüllt werden wollte.

Wie gut, dass ich so eifrig direkt vier Bücher mit eingepackt hatte:
„Unterleuten“ von Juli Zeh, das schon viel viel zu lange auf meine Aufmerksamkeit warten musste. „So schöne Lügen“ von Tara Isabella Burton, eine noch recht frische Neuerscheinung aus dem Frühjahr, „Managara“ von Vladimir Sorokin, ebenfalls schon was länger auf dem Stapel – und zu guter Letzt „Die Farben des Feuers“ von Pierre Lemaitre. Und da ich tatsächlich alle gelesen habe, kriegt ihr jetzt kurz meine Meinung dazu zu hören.

IMG_5713

Juli Zeh – Unterleuten

Zunächst muss ich gestehen, dass ich immer dachte, das Buch hieße „Unter Leuten“. Streng genommen ist es aber nach dem Ort des Geschehens benannt, dem Dorf Unterleuten. Genau genommen ist das aber piepen egal, da es – wie ich finde – auf dasselbe hinausläuft. Denn in Unterleuten ist niemand je allein. Alle beobachten und werden beobachtet, jede Tat wird registriert und beurteilt, jeder kennt jeden. Eben ein typisches Dorf. Und in diesem Dorf bricht der Wahnsinn aus, nachdem ein Windpark eröffnet werden soll. Ein jahrzehntelanger Machtkamp bricht von neuem aus, die sonst so friedlichen Bewohner und Bewohnerinnen greifen zu zweifelhaften Maßnahmen und – alles in allem – eskaliert es einfach hart. Großartig!

IMG_5711

FUX-FAZIT:

„Unterleuten“ ist Krimi, Gesellschaftskritik, Kammerspiel und humoristische Satire in einem. Geflogen bin ich durch die über 630 Seiten und auf die einzelnen Charaktere, die Juli Zeh so meisterhaft erfasst. Sprachlich ein feiner Genuss, es hat mich wunderbar unterhalten und immer wieder aufs Neue überrascht.
Kurzum: Das war richtig gut.

🦊🦊🦊🦊🦊
5 von 5 Füxen.


 

Tara Isabella Burton – So schöne Lügen

Danach hatte es dieses golden glitzernde Buch natürlich schwer, meinen Begeisterungspegel oben zu halten. An einem Tag habe ich es gelesen, was definitiv für den Unterhaltungswert spricht. Worum geht’s: Zwei New Yorkerinnen lernen sich zufällig kennen, die eine stinkreich, schön und exzentrisch, die andere – ihr könnt’s euch denken – das klischéegenaue Gegenteil. Louise lässt sich in den toxischen Bann von Lavinia ziehen, deren Leben vor allem online stattfindet. Keine Party ohne Selfie, keine Liebe ohne Likes. Louise genießt das neue Leben, das Geld, die Aufmerksamkeit. Sie trinkt viel, isst wenig, schläft kaum. Sie verliert einen Job nach dem Nächsten – aber sie hat ja Lavinia, die ihr nicht nur ein Dach über dem Kopf sondern auch Geld spendiert. Alles ist super, denkt Louise – bis ein Streit zwischen den beiden alles verändert.

IMG_5710

FUX-FAZIT:

Was danach kommt, ist ein bisschen krank. Da ich euch nicht die ganze Story verraten will, wird es jetzt etwas kryptisch. Aber stellt euch einfach eine Mischung aus „Gone Girl“ und „Gossip Girl“ vor. Bisschen sexy, bisschen psycho. Und irgendwie ganz schön abgedreht. Leider hat die Grundstory des Buches mich nicht völlig vom Hocker gerissen und die ein- oder andere Szene war mir einfach viel zu oberflächlich. Selfies, Sekt und selten richtig gute Dialoge. Für meinen Geschmack leider nicht besonders kreativ und etwas zu gewollt tiefgründig. Und bevor die Verfechter jetzt aufschreien „Aber es geht doch um den Subtext, was Social Media und Erwartungshaltungen von außen aus Menschen machen können!!!1!“ Ja ja. Ich hab‘ das schon verstanden. Und das ist auch krass. Aber einfach leider nix neues mehr. Spannend war es trotzdem, kurzweilig unterhaltsam, nicht völlig schockierend, aber die Nerven kurzzeitig kitzelnd.

🦊🦊
2 von 5 Füxen.


Vladimir Sorokin – Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs

Weiter zur nächsten, völlig skurrilen Geschichte. Nur dass diese in der Zukunft spielt und davon handelt, wie Untergrundköche feinste Speisen auf Büchern kochen. Die Menschen drucken keine Bücher mehr, gelesen wird nur noch über ein digitales, allwissendes Medium. Doch dennoch verzehren sich einige nach den Seiten, die einst die Welt bedeuteten. Die edelsten Erstausgaben dienen als Feuerscheite für thematisch passende Gerichte – zubereitet an absurden Orten und für die unterschiedlichsten Typen von Mensch (oder sowas in der Art. Don’t ask.). Ganz vorne mit dabei: Chefkoch Geza, aus dessen Perspektive dieses Tagebuch geschrieben ist. Geza ist ein richtiges Arschloch. Frauen sind für ihn nur Zeitvertreib (und dann bitte auch nur Vietnamesinnen, mindestens im Doppelpack), er ist gerissen und nach eigenen Angaben der Beste auf seinem Gebiet. Was für ihn zählt, ist Ruhm und ordentlich Kohle. Er erledigt einen Auftrag nach dem nächsten, lebt das absolute Jet-Set-Life und freut sich auf seinen nächsten Urlaub (mit den Vietnamesinnen). Doch dann kriegt er ein ordentliches Problem und muss im Auftrag der „Küche“ einen noch unbekannten Gegner zu Fall bringen. Nur blöd, dass Geza da eigentlich so gar keinen Bock drauf hat und der vermeintliche Feind ihm ein äußerst verlockendes Angebot macht.

IMG_5707

FUX-FAZIT:

Ich habe sehr gelacht, wirklich. Die Szenerie, die Sorokin kreiert ist wirklich herrlich kreativ und gekonnt erzählt. Geza ist irgendwie nicht so richtig greifbar, aber trotzdem fand ich ihn – ich kann es nicht anders sagen – echt witzig. Die Geschichte braucht zwar ein wenig, um in Gang zu kommen, lässt einige Fragen offen (aber uns Lesern dafür Platz für Fantasie!) und die erwartete Gesellschaftskritik stellte sich auch erst recht spät ein, aber alles in allem hat mir „Manaraga“ einige gute Stunden beschert. Skurril, sehr bissig und eigentlich gar nicht so weit weg. Kann man lesen!

🦊🦊🦊
3 von 5 Füxen.


 

Pierre Lemaitre – Die Farben des Feuers

Von der dystopischen Zukunft in die historische Vergangenheit. „Die Farben des Feuers“ spielt von 1927 bis kurz vorm zweiten Weltkrieg in Paris. Hauptfigur ist Madeleine Pericourt, Erbin eines anerkannten Bankiers und alleinerziehende Mutter eines 7-jährigen Jungens. Als ihr Vater stirbt, tritt sie in die Fußstapfen und soll von nun an sein Bankimperium leiten. Für eine junge Frau damals absolut undenkbar – Madeleine hat nie etwas anderes gemacht, außer Frau und Mutter zu sein. „Zum Glück“ weiß sie ihren Berater und langjährigen Mitarbeiter ihres Vaters Gustave Joubert an ihrer Seite. Mit blindem Vertrauen unterschreibt sie alles, was er ihr auf den Tisch legt. Auch ihre treue Gesellschafterin und Freundin Léonce ist ihr eine große Hilfe. Sie kümmert sich um sie und ihren Sohn, der nach einem mysteriösen Sturz aus dem Fenster gelähmt ist und im Rollstuhl sitzt. Bleibt noch Andre, Schriftsteller im Geiste, Geliebter von Madeleine und Hauslehrer ihres Sohnes Paul. Auch er bleibt bei Madeleine, die mit ihrem schweren Schicksal zu kämpfen hat. Doch dieses Buch ist keine normale Leidensgeschichte einer jungen Frau – dieses Buch ist ein großartiger Roman über den eiskalten Rachefeldzug einer gestandenen Frau, die es Schritt für Schritt allen heimzahlt, die sie und ihre Familie in den Ruin treiben wollen.

IMG_5708

FUX-FAZIT:

Es fühlt sich komisch an, das zu schreiben, aber: ein wirklich wunderbares Buch. Man muss sich einlassen auf die Sprache und die Welt, die der damaligen Zeit angepasst wurde, aber in keiner Weise alt-kitschig um die Ecke kommt. Die Story ist extrem gut aufgebaut, die Plottwists kommen glücklicherweise völlig überraschend und es macht einfach riesigen Spaß, Madeleine und ihre Komplizen dabei zu begleiten, wie sie ihre Strippen zieht. Während im ersten Drittel also alles gepflegt den Bach runtergeht und uns nichts anderes übrig bleibt, als augenaufreißend dabei zuzusehen, ist alles danach wie eine besänftigende Belohnung und pure Genugtuung. Mochte ich sehr!
Kleiner Minuspunkt: Leider redet der Erzähler durchweg nur vom „aufmerksamen Leser“. Ich bin eine Leserin, Herr Lemaitre. Merkste selbst, ne?

🦊🦊🦊🦊🦊
5 von 5 Füxen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: