Rezension: Fuminori Nakamura – Die Maske

„Es geht um deine Erziehung. Was nicht bedeutet, dass ich mir große Hoffnungen mache. Ich will ein Geschwür in diese Welt setzen. Unter meiner Obhut wirst du zu diesem Geschwür heranwachsen. Ein Stachel des Bösen sozusagen.“

Fumihiro Kuki ist elf, als sein grauenvoll grimmiger Vater ihm seine bevorstehende Zukunft offenbart. Denn er ist der Jüngste Spross des Kuki-Klans und gezeugt für ein einziges Ziel: Er soll das Verderben über die Menschheit bringen. Doch Fumihiro hat andere Pläne. Denn er ist verliebt.

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Kaori heißt das Waisenmädchen, das plötzlich neben Fumihiro steht. Adoptiert von seinem Vater – und das ganz sicher nicht aus Großherzigkeit. Sie ist Teil des perfiden Plans, den der Alte verfolgt. Denn mit diesem Mädchen wird er ihm in einigen Jahren „die Hölle zeigen“. Fumihiro und Kaori sollen sich anfreunden – und finden ihre Liebe zueinander. Was entsteht, ist das zarte Erste, das sich entdecken und hingeben. Fumihiro kann nicht mehr ohne Kaori und er weiß, dass es ihr nicht anders geht. Doch Fumihiro ahnt, dass dieses geheime Glück nicht von Dauer ist; er ahnt, welche Hölle ihm droht – und beschließt, seinen Vater zu töten.

Danach ist nichts, wie es mal war. Klingt jetzt erstmal gut, denn der Bösewicht ist ja aus dem Weg geräumt, oder nicht? Da das Buch ja nicht nach 100 Seiten vorbei ist, geht’s natürlich spannend weiter. Denn Fuhimiro verändert sich – und das ganz offensichtlich äußerlich. Sein Gesicht wird zu dem seines Vaters.

„Das heißt, du wirst mich nicht mehr lieben können? Mich, der immer mehr zu ihm wird?“
Tränen liefen über Kaoris Gesicht.
„Es ist okay. Niemand zwingt dich. Es ist jetzt einfach aus, oder? Schließlich bin ich das Kind meines Vaters … Verdammt, was … Was ist das für ’ne …“
Danach verfiel ich still und leise dem Wahnsinn.

Wie eine Maske kleben Schuld und Gewissensbisse auf seinem Gesicht. Und sie zerreißen sein Inneres, bis nur noch lethargische Leere herrscht.

„Aber mein junges Herz vermochte all die unglaublichen Ereignisse, die irre Verquickung von Himmel und Hölle, nicht zu entwirren und in eine Ordnung zu bringen. Was passiert war, hatte sich tief in meinem inneren eingegraben, und mit jedem Jahr würde es mich mehr und mehr entstellen. […] Mein Geist war völlig losgelöst von meinem Körper. Ich sah, wie meine Beine sich bewegten, hörte mich etwas sagen, und gedankenverloren fragte ich mich, wie die Leute in meiner Umgebung reagieren würden, wenn ich plötzlich laut losschrie.“

Um den Klauen des Kuki-Klans zu entkommen, fängt Fumihiro ein neues Leben an – und gönnt sich dafür ein völlig neues Gesicht. Er lässt sich umoperieren und nimmt die Identität eines Unbekannten an. Und da beginnt das große Theaterspiel. Er heuert einen Privatdetektiv an, um Kaori zu finden. Er trifft einen Kommissar, der ihn auf dem Kieker hat – oder besser gesagt sein neues Ich. Er wird unbeabsichtigt verwickelt in eine anonyme Terror-Organisation und soll zu ihrem Sponsoren werden. Zu allem Überfluss wird er von seinem wesentlich älteren Bruder aufgesucht, als Fuhimiro Kuki entlarvt und für dessen gewaltsamen Machenschaften des Familienerbes umworben.

 „Das wäre mit Sicherheit ein unterhaltsames Schauspiel, doch dabei soll es nicht bleiben. Ich bin am Ende, und das Ziel von jemandem wie mir kann natürlich nur das Ende von allem sein.“

FUX-FAZIT:

🦊🦊🦊🦊
4 von 5 Füxen.

„Die Maske“ liest sich unheimlich schnell. Es ist spannend, absurd, situationskomisch, pointiert – wie ein Theaterspiel. Fuhimiro steht auf der Bühne, während ein Charakter nach dem anderen auf- und abgeht. Dazwischen aberwitzige Dialoge, poetisch beschriebene Kleinigkeiten und Befindlichkeiten sowie wirklich krasse Szenen und Sätze. Die Art von Sätzen, bei denen man unvermittelt ungläubig die Augen aufreißen muss. Der Stil erinnerte mich zuweilen an Murakami, was ich sehr gerne mochte. Auch wenn das Buch mich verwirrt und etwas ratlos zurückgelassen hat, möchte ich noch mehr von Fuminori Nakamura lesen. Und das deute ich als gutes Zeichen.

P.S.: Die Hardcover-Ausgabe des Buches fühlt sich übrigens ganz großartig an. Irre schöner Leineneinband und zartes Papier. Kein Scherz! Haptisch eine wahre Freude.

Fuminori Nakamura – Die Maske
Diogenes Verlag,
Hardcover Leinen, 352 Seiten

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2 Kommentare zu „Rezension: Fuminori Nakamura – Die Maske

  1. Hallo liebe Anne

    Vielen Dank für diese tolle und berührende Empfehlung, ich habe mir das Buch direkt auf die Wunschliste gesetzt und hoffe, bald ein wenig Platz auf meinem SuB zu haben 😉

    Mach dir ein schönes Wochenende
    Livia

    Gefällt 1 Person

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