Rezension: Haruki Murakami – Von Beruf Schriftsteller

Haruki Murakami spaltet die Lesenation. Die einen sagen yey!, die anderen konsequent ney. Dazwischen gibt es eigentlich nichts. Selbst wenn eine einzelne Erfahrung mal eher mau ist, hält es den wahren Fan nicht vom nächsten Bücherkauf ab. Ich zähle zu den ganz klaren yey-ern, wobei ich gar nicht so recht weiß, wieso. Gelesen habe ich bisher erst 3,5 Bücher dieses japanischen Ausnahmeautors, kann mich also noch so gar nicht als Fan der ersten Stunde bezeichnen. Macht aber nix, besser spät als nie.

Und es war längst überfällig, dass ich dieses eine Buch nun in meinen Kopf gelassen habe.

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In elf Essays öffnet Haruki Murakami die Türen in seine private Werkstatt. In sein Zuhause, seinen Kopf und gewissermaßen sein Herz. Er tritt auf als bescheidener, anfangs unbeholfener Meister, der seinen Leserinnen und Lesern wichtige Botschaften mit auf den Weg geben will. Und vielleicht den ein oder anderen hilfreichen Tipp für die, die gerne ein Fünkchen Murakami in sich tragen wollen.

„Ein Schriftsteller sollte, noch bevor er Künstler ist, ein freier Mensch sein. Und für mich besteht die Definition eines freien Menschen darin, dass er tut, was er will, und zwar wann er will und wie er will. Statt Künstler zu werden und im steifen Gewand vor Publikum aufzutreten kann man doch lieber ein ganz normaler freier Mensch sein.“

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Also nahm ich Herrn Murakami mit. Er war mein Begleiter und das Buch unser Reiseführer. Auf dieser Sightseeing-Tour durch die Stationen seines bisherigen Lebens lernte ich einiges über die japanische Buchbranche, über Erwartungen und Konventionen, über die Arbeitsweise Murakamis und über seine Beziehung zu seiner Leserschaft. Nicht selten habe ich die Seiten mit Merk-Knicken (mach ich eigentlich nie!) versehen, um kleine weise Wichtigkeiten festzuhalten. Sie zuzudecken, damit sie es bei mir schön gemütlich haben.

„Ich glaube, in allen Herzen herrscht ein gewisses Chaos. In meinem wie in Ihrem. Aber dies ist nicht die Art von Gegenstand, die man auf der Ebene des Alltäglichen in konkreter und sichtbarer Form nach außen tragen […] Wer zufällig seinem inneren Chaos begegnet, sollte den Mund halten und allein auf den Grund seines Bewusstseins hinabsteigen. Das Chaos, dem Sie sich stellen müssen, das echte Chaos, dem entgegenzustellen sich lohnt, ist genau dort. Es lauert direkt unter Ihren Füßen.“

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FUX-FAZIT:

🦊🦊🦊🦊
4 von 5 Füxen.

Ich weiß nicht, ob dieses Buch ney-Denker in yey-Sager verwandelt. Ich weiß aber, dass ich es kaum erwarten kann, weitere Bücher von Haruki Murakami zu lesen. Und in ihnen das wiederzufinden, was er in diesen autobiografischen Essays so persönlich und ehrlich zur Sprache bringt.


Haruki Murakami – Von Beruf Schriftsteller
btb Verlag,
Taschenbuch,
233 Seiten
Hier geht’s zum Buch

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