Rezension: Maja Lunde – Die Geschichte des Wassers

„Die Geschichte des Wassers“ ist der zweite Teil des angekündigten Klima-Quartetts von Maja Lunde. Das Gute ist: ich kann ihn absolut nicht mit dem ersten vergleichen. Den hab ich nämlich noch gar nicht gelesen – ja, ich schäme mich. Wird nachgeholt.

„Die Leute kommen von weither für diese Landschaft und finden sie herrlich, phantastisch, amazing. Sie stehen auf Schiffdecks von der Größe eines Fußballfeldes, während gigantische Dieselmotoren ihre Abgase in die Luft blasen […].“

Es geht also um Wasser. Um Wasserknappheit, um Abhängigkeit von Wasser, um Wachstum durch Wasser und um alles, was ein Mensch mit Wasser macht. Um Reinheit, um Glaube, Hoffnung, um alles.

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Wir begleiten die Umweltaktivistin Signe im Jahr 2017, wie sie mit ihrem Boot von Norwegen nach Frankreich segelt, um ihrer einst großen Liebe Magnus Gletschereis vor die Füße zu knallen. Eis, das von Menschenhand abgebaut wurde, um es reichen Menschen in Dubai ins Cocktailglas zu schütten.

„Niemand denkt mehr an mich, niemand kümmert sich, rechnet mit mir, ich bin eine graue, kleine Dame mit einer fusseligen Mütze, ich bin alt, alt wie Stein, wie der Blåfonna.
Ich kann nicht alles zerstören, aber das hier kann ich zerstören.
Ich kann nicht bei allem aufschreien, aber hier kann ich es.“

Und wir begleiten den jungen Vater David, der mit seiner kleinen Tochter Lou auf der Suche nach Schutz ist. Und nach seiner Frau und dem einjährigen Sohn August. Diese Geschichte spielt nicht im Jetzt, sondern im Jahr 2041 – und Trinkwasser gibt es beinah keines mehr.

„Wem gehört es?“
„Ich weiß nicht … irgendjemandem gehört wohl der Boden darüber.“
„Aber irgendjemandem gehört es?“
„Ich glaube schon.“
„Wie kann jemand überhaupt Wasser besitzen?“

Von Anfang an ist klar, dass die beiden Geschichten irgendwie zusammenhängen, bzw. sich irgendwann überschneiden. Die Übergänge sind geschickt gelöst, die Perspektiven greifen ineinander wie stetig weiterlaufende Zahnräder. Und auch wenn der Ausgang der Geschichte wenig überraschend ist, ist der Weg dorthin doch spannend gelöst.

„Ich hatte nichts. Und sie hatte nur mich.“

Maja Lunde schreibt simpel, aber emotional effektiv. Vereinzelt haben Sätze eine solche Gewalt, dass ich das Buch kurz ablegen musste. Sätze, bei denen man zustimmen und leise nickt, während man mal nachdenkt.  Nachdenken ist das Stichwort: Wir sollten über Wasser nachdenken. Meine Eltern schauten mich an wie eine Irre, als ich ihnen sagte: 2041 gibt es kaum noch Trinkwasser auf der Welt! „Ihr werdet’s schon sehen.“, habe ich ihnen trotzig vor die Füße geschmettert. Ob sie mir geglaubt haben, weiß ich nicht. Aber ich hoffe, dass noch viele weitere dieses Buch lesen, oder sich zumindest mit der Thematik befassen werden.

„Alles konnte brennen. Und alles brannte. Meine ganze Welt brannte.“

FUX-FAZIT:

🦊🦊🦊
3 von 5 Füxen.

So richtig schön ist die Geschichte nicht, dennoch liest sie sich beinah schon zu einfach. Teilweise ist der Handlungsstrang etwas vorhersehbar, die Sprache seicht. Das schadet dem Buch aber nicht, denn es erfüllt, was es soll. Mit einfachen Mitteln große Gedanken anstoßen.


Maja Lunde – Die Geschichte des Wassers
btb,
gebunden mit Schutzumschlag,
480 Seiten
Hier geht’s zum Buch

 

Ein Kommentar zu “Rezension: Maja Lunde – Die Geschichte des Wassers

  1. Hey Anne,

    Nach der Führung in der Bibliothek mache ich gerde eine kleine Stöberrunde auf den Blogs. Eine interessante Rezension zum Buch. Die Thematik finde ich ganz interessant, aber ich weiß dennoch nicht, ob das Buch ganz das Richtige für mich ist. Ich habe zwei Thriller gelesen, wo es um Überbevölkerung geht. Da fängt man auf jeden Fall auch an, über einige Dinge nachzudenken, leider gerät es dennoch schnell wieder in Vergessenheit.

    LG, Moni

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