Helmut Böttiger – Wir sagen uns Dunkles

Ich liebe die deutsche Sprache. Mit all ihren Kniffen, Klacklauten, Rhythmen und Tücken.  Ich mochte auch damals gerne das Schulfach „Deutsch“. Interpretationen und Gedichtanalysen, à la „Was will der Autor damit sagen?“ Da konnte man manchmal so herrlich schwurbelig daherreden, nichts war falsch.

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Doch in „Wir sagen uns Dunkles“ fühlte ich mich ein bisschen fehl am Platz, wie zurück versetzt in die 11. Klasse. Wie eine Literaturstunde, bei der ich nicht hinterherkomme. Ein wenig zu viel wird mir hier interpretiert, Briefwechsel mit Gedichten analysiert und so Schlüsse gezogen, die die Liebesbeziehung – oder überhaupt Beziehung – zwischen Paul Celan und Ingeborg Bachmann beschreiben.

„Der Reiz ist jedes Mal, dass man letztlich doch ziemlich wenig weiß, es aber gleichwohl viele Andeutungen und Spuren gibt.“

Aber halt. Das soll es nicht schlecht machen. Es ist nur ein Element, das mich tatsächlich störte. Mich ganz persönlich – andere gehen darin sicher sehr auf. Doch mir kam es immer wieder vor wie kleine Barrieren, die mir den schönen, doch poetischen Lesefluss in diesem Buch etwas mühselig zerhackten.

„Ich hungre nach etwas, das ich nicht bekommen werde, alles ist falsch und schal, müde und verbraucht, ehe es gebraucht wurde.“
– Ingeborg Bachmann

Die persönlichen Passagen und Zitat der beiden großartigen Poeten Bachmann und Celan haben mich wirklich verträumt zurückgelassen. Sie liefern einen Eindruck von der damaligen Zeit, der Umstände, dem klarkommen mit der Nachkriegszeit, dem Druck von außen und der inneren Welt, mit allem Neuen und Begehren klarzukommen. Immer wieder wünscht man sich, die beiden kommen und bleiben zusammen. Und dann doch wieder nicht, man flucht über Celan, findet Bachmann fürchterlich und wünscht ihnen, im nächsten Satz doch wieder nur das Beste. Hach, anstrengend schön.

„Das darf nicht sein, dass Du und ich einander noch einmal verfehlen, – es würde mich vernichten.“

Und doch tat ich mir insgesamt wirklich schwer. Einige Passagen habe ich wohl nur überflogen, es wurde mir zu fad. Die Sprünge zwischen den beiden waren verwirrend, inhaltlich wie chronologisch. Und gefühlt musste das Ende plötzlich schnell erzählt werden, als wäre kein Platz mehr für noch mehr Seiten.

„Ich bin traurig und fern von allem, wo ich auch bin.“

FUX-FAZIT:

🦊🦊🦊
3 von 5 Füxen.

Ich sage: Im Grunde eine herzbewegende Geschichte, über deren Erhalt ich wahnsinnig froh bin. Bachmann und Celan waren mir vorher nahezu unbekannt, jetzt kann ich ihre Charaktere minimal mehr begreifen und möchte gern noch mehr von ihnen wissen.
Dennoch holperte ich mich lange durch das Buch – was vielleicht an meinem vollen Kopf während der Lektüre lag. Ich fand’s schwierig. Deshalb gemischte Gefühle und eine wackelige Note 3.

„Im Alltag standen sie sich in ihrer allzu ausschließenden, allzu verwandten Dicherexistenz im Weg. Jenseits des Alltags aber gab es eine Nähe, die für andere nicht erreichbar war.“


Helmut Böttiger – Wir sagen uns Dunkles
DVA,
gebunden mit Schutzumschlag,
270 Seiten
Hier geht’s zum Buch

 

 

 

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