Rezension: Natasha Friend – No. 9677

Für mich ist Familie selbstverständlich. Ich habe einen Vater, eine Mutter und eine ältere Schwester. Soweit, so normal. Ganz und gar nicht „normal“ ist die Familie von Hollis und Milo. Zwei Kinder mit vier Müttern – und einem Samenspender als Vater.

„No. 9677 oder wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam“ ist eine Geschichte für Jugendliche, die dennoch alle was angeht. Eine Geschichte über Familie, Identität, Angst, Mut und all den anderen, typischen Teenager-Kram. Küssen, Kiffen, Fummeln und  das erste Mal so richtig verliebt sein.

„Wahre Liebe stirbt nie.“
„Und Einhörner gibt es wirklich.“

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Der Inhalt.

Hollis ist 14 und eine Schlampe. Das sagt sie über sich selbst, nicht ich über sie. Sie ist trotzig und ganz dezent nachtragend. Milo ist wenig älter und ein junger Mann, der ohne Vater aufwächst und sich – trotz seiner Liebe zu seinen Müttern – ab und an einfach einen Mann im Haus wünscht. Und jemanden, der ihm helfen kann. Denn Milo hat die allerheftigsten Lebensmittelallergien, ever. Doch die DNA seines Spenders könnte Antworten und Lösungen bringen. Also beschließt Milo, ihn zu suchen. Gemeinsam mit Hollis – und wie sich herausstellt – noch vier weiteren Halbgeschwistern. Oha!

Klingt nach Abenteuer und ist auch eins. Alle lernen sich kennen und plötzlich wird aus Einzelkindern eine Großfamilie. Es kommen Fragen auf wie „Was machen wir, wenn wir ihn sehen? Wenn er uns nicht kennenlernen will?“ oder generell „Will ich das überhaupt?“ Gerade Hollis tut sich schwer. Es war doch alles irgendwie ok so. Und plötzlich ändert sich alles um sie herum – und in ihr drin.

 

„Jetzt fühlte Hollis sich mies. Sie hatte nicht so gemein zu ihrer Mutter sein wollen, aber manchmal passierte das einfach. Sie wusste ja nicht mal, was sie eigentlich so ärgerte.“

Die Sprache.

Ich bin beinahe 28 und doch fühlte ich mich wieder ein bisschen wie 15. Die Sprache ist einfach, aber nicht platt. Eben genau richtig, um der rasanten Heldenreise der Boys und Girls zu folgen. Ehrlich und klar – ein guter Gegensatz zu den verwirrten Gedankenwirrungen der Teenager, die manchmal selbst nicht so ganz wissen, wie sie sich ausdrücken sollen.

„An jenem Tag auf dem Klettergerüst nistete sich ein hartes schwarzes Körnchen Scham in Hollis‘ Herz ein und setzte sich dort fest wie ein Stück Popcornschale zwischen den Zähnen.“

Natasha Friend trifft ziemlich genau die unterschiedlichen Gefühlslagen ihrer Helden und Heldinnen. Und die der Freunde und Mütter. Ich gebe zu, ich hatte sogar mal Pipi inne Augen. Aber da war immerhin auch eine Katze involviert. Und Katzen sind halt süß.

„Ich mag jedenfalls, wie du aussiehst“, sagte sie.
„Danke. Ich mag auch, wie du aussiehst.“
„Ich würde dich nicht weggeben.“
„Ich dich auch nicht.“
Mit einem Mal wurde es ganz still, so als schliefe die gesamte Welt außer ihnen beiden.“

Das Buch.

Es machte Spaß, dieses Exemplar in die Hände zu nehmen und darin zu lesen. „Schuld“ daran ist der Schutzumschlag und die qualitativ hochwertige Bindung des Hardcovers.
Spoiler: Der Umschlag ist auf jeden Fall ein haptisches Highlight. So als Jugendbuch sicher nicht verkehrt.

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Fux-Fazit:

🦊🦊🦊
3 von 5 Füxen.

Inhaltlich hatte ich mir ein wenig mehr erhofft – gerade, was das Ende der Geschichte angeht. Spannend war es, klar. Auch wenn es „nur“ ein Jugendbuch war, fühlte ich mich mit den Charakteren verbunden, als wären sie irgendwie in meiner Nähe. Super finde ich die Grundstory und ihre Umstände. Aufwachsen als Kind eines lesbischen Paares, die Reaktionen der Umwelt, Tod, Identitätssuche, Rebellion und Geschwisterliebe. Alles wahnsinnig wichtige Themen, die nicht nur Jugendliche etwas angehen. Sondern uns alle.

„Kindisch? Klar. Logisch? Nein. Aber so war es eben.“


 

Natasha Friend – No. 9677
oder wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam
Magellan,
Hardcover, 336 Seiten.
Hier geht’s zum Buch.

 

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