Rezension: Sabrina Janesch – „Die Goldene Stadt“

Warum ich dieses Buch habe.

Es war ein Tag im Frühsommer, als mich ein Überraschungspäckchen von LovelyBooks erreichte. Ich so: Hä? Die so: Hier, eine Schatzkiste!
Eine Tafel Schokolade, ein Brief, eine Schatzkarte und – das allerfeinste – das neue Buch von Sabrina Janesch: „Die Goldene Stadt“.
An dieser Stelle ist es dem Leser dieses Beitrages frei überlassen, wie er sich mein völlig ausflippendes, vor Freude über dieses Leseexemplar durch die Wohnung hüpfendes Ich vorstellt. So, alle gemacht? Und weiter geht’s.

„Diese Geschichte hat zwei Anfänge. Der eine liegt weit zurück im Jahr 1842, der zweite datiert auf einen nebligen Münsteraner Morgen im Oktober 2012.“ (S.5)

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Der Inhalt.

Der Deutsche Augusto Berns entdeckt die verlorene Stadt der Inka, El Dorado. Oder zumindest hat er es eifrig vor. Als Junge wäscht er mit seinem Vater Gold und träumt von fernen Welten. Von güldenen Kelchen, Türmen und Mauern. Er setzt sich ein bescheidenes Ziel: er wird nichts weniger als ein bedeutender Pionier.

„Da wusste er, dass er nicht sterben wollte. Aber leben? Das war eine Frage, die er aufschieben musste.“ (S. 353)

Da geht’s los, das Abenteuer. Wir begleiten ihn in jeder Etappe seines Lebens. Und jede ist ungeheuer wichtig. Die erste, große Freundschaft in Jugendtagen. Fabelhafte Bekanntschaften mit Humboldt, Entdeckern und Wissenschaftlern. Das gemeinsame Träumen vom Erfolg, der Liebe und des Glückes, während Bomben erbarmungslos den Schiffsrumpf zerfetzen. Und endlose Loyalität zwischen Dschungel, reißenden Flüssen, ätzenden Mücken und Malaria-Attacken. All das erleben wir mit Augusto, der nicht immer so hieß, aber als solcher in die Geschichte eingehen wird.
Denn die Grundstory, derer sich Sabrina Janesch bedient ist wohl wahr. Und die Autorin schmückt das sagenumwobene Leben des deutschen Entdeckers sagenhaft gut aus. Vom verträumten Jungen bis zum gewieften Betrüger. Ein ganzes Leben Berns.

„Nein – es war dieses Leben oder keines. Es galt, das Beste daraus zu machen.“
(S. 247)

Die Sprache.

Eine Wortwahl, so facettenreich wie ein ganzes Leben. Nicht jeder Satz, aber doch fast, ist ein Abenteuer. Demnach also absolut passend, wenn’s hier ja um Abenteuer geht! Aber echt: ich war voll drin.

„Ein Brüllen war das, ein Krachen und Prasseln in den Baumkronen, ein Fauchen, ein Kieksen und Japsen.“ (S. 279)

Ich glaube, Sabrina Janesch hatte Spaß beim Schreiben. Ich habe geschmunzelt, hier und da laut aufgelacht oder das Buch kurz nachdenklich beiseite geschoben. Eine gelungene Mischung aus Substantiv-Schabernack und Philosophie-Exkurs.

„Man durfte sich keine Zeit lassen. All das Gute, was einem widerfuhr, war nichts als eine Leihgabe, nur das Schlechte war einem auf ewig sicher.“ (S. 117)

Das Buch.

Mir gehört das Hardcover, die erste Ausgabe. Irre! Es ist ein weißes, leicht perlmutt schimmerndes Buch mit gold-glänzendem Kapitalbändchen. In der Sonne sieht’s besonders schön aus. Der Abenteuerroman kommt daher in einem Schutzumschlag, der leider etwas empfindlich ist. Aber ich hatte das gute Ding auch echt oft in meiner Tasche – abenteuerlich eben.

„Auf den Schultern von Giganten stand es sich schwindelerregend hoch.“ (S. 168)

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Fux-Fazit:

🦊🦊🦊🦊
4 von 5 Füxen.
Warum so?
Ich sag’s mal so: Ich bin jetzt ja nicht so das klassische Abenteuer-Girl. Ich bin als Kind weder auf Bäume geklettert, noch habe ich diese komische Affenhängeschaukelsache an der Schaukel auf dem Spielplatz gemacht. Ich war glücklich zuhause in meinem Zimmer, vertieft in die weite Welt der Bücher. Auch gehören Abenteuer-Romane nicht primär zu meinem Regalbestand.

Und doch: die Geschichte von Rudolfo Augusto Berns hat mich fasziniert. Ich habe zwischendurch geforscht (gegoogelt) und wollte noch mehr wissen. Über Peru, den Präsidenten und die Anden. Über Machu Picchu und El Dorado und wie das da auch alles noch so heißt. Apropos: ab und an war ich doch etwas abgelenkt. Bei all den exotischen Namen, Flüssen, Wäldern und Konsorten. Zwischendurch gibt’s leider storytechnisch ’ne kleine Dürrephase. Da fragte ich mich: Wann entdeckt der diese Ruine denn jetzt endlich?! Aber gut, das mag durchaus an meinem abenteuerunerfahrenen Gemüt liegen. Insgesamt eine tolle Leseerfahrung für mich – und eine absolute Empfehlung an alle, die auf sprachlich traumhafte Pionierfahrten stehen.

„Beide wären gern Pioniere und können sich kaum verzeihen, dass sie es nicht sind.“ (S. 492)


Sabrina Janesch – Die Goldene Stadt
Rowohlt Berlin,
Hardcover, 528 Seiten.
Hier geht’s zum Buch.

 

 

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